Der BMW 640d läuft mit dem N57-Diesel – einem Reihensechszylinder mit bis zu 313 PS. Klingt stark, hat aber klare Schwachstellen. Der Turbo wird über das Motoröl geschmiert – wer das Öl zu lange drin lässt, tötet das Turbolager. Die Injektoren – die Einspritzdüsen – fallen ab 150.000 km gehäuft aus und lassen Diesel ins Motoröl laufen. Und das AGR-System setzt den Ansaugtrakt mit Ruß zu, was den Turbo zusätzlich belastet. Was den 640d teurer macht als einen normalen 5er: Er ist schwerer, die Motorraumzugänglichkeit schlechter, und Werkstätten berechnen mehr Arbeitszeit.
Sofort-Check: Motor aus oder weiterfahren?
Stelle den Motor sofort ab, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Öldrucklampe leuchtet bei laufendem Motor
- Pfeifendes oder heulenes Geräusch beim Beschleunigen
- Schwarzer oder blauer Rauch aus dem Auspuff
- Starker Leistungsabfall – Motor geht in Notlauf
- Metallisches Klopfen aus dem Motorraum
Beim N57 gilt: Fällt ein Turbolader aus und fährt man weiter, wandern Turboschaufeln in den Zylinder. Was mit einem kaputten Turbo beginnt, endet als Totalschaden – innerhalb weniger Kilometer. Jeder weitere Kilometer unter Last nach diesen Symptomen kostet dich bares Geld.
Die 5 häufigsten Ursachen beim BMW 640d
1. Bi-Turbo-Versagen – die häufigste Ursache
Der N57 läuft mit zwei Turboladern – einem kleinen für niedrige Drehzahlen, einem großen für den oberen Bereich. Beide werden über das Motoröl geschmiert. Ist das Öl zu alt oder zu wenig davon da, stirbt das Turbolager – zuerst der kleine Lader, leise und ohne große Vorwarnung.
Wer dann weiterfährt, belastet den großen Lader über sein Limit. Fällt der aus und wandern Schaufeln in den Zylinder, ist der Motor sofort verloren. Pfeifendes Geräusch beim Beschleunigen oder schwarzer Rauch unter Last – das sind die Zeichen zum sofortigen Abstellen.
Kosten Bi-Turbo-Austausch komplett: 2.500–5.500 Euro inklusive Einbau. Einzelner Lader: 1.200–2.800 Euro.
2. Injektoren – Diesel im Motoröl
Die Injektoren sind die Einspritzdüsen des Motors – sie spritzen Diesel mit über 2.000 bar in den Brennraum. Sind sie defekt, spritzen sie unkontrolliert weiter. Der Diesel läuft an der Zylinderwand runter ins Motoröl, verdünnt es – und die Lagerschmierung bricht zusammen.
Erkennbar an: Motor läuft unrund, Verbrauch steigt, Zündaussetzer im Leerlauf. Das Öl riecht nach Diesel. In manchen Fällen steigt sogar der Ölstand – weil Kraftstoff sich beimischt. Das ist kein gutes Zeichen, sondern ein Alarmzeichen.
Der N57 hat 6 Injektoren. Kosten für den kompletten Satz: 2.400–5.400 Euro inklusive Einbau. Hochdruckpumpe zusätzlich: 1.000–2.200 Euro. Wer nur einzelne Injektoren tauscht und kurz danach der nächste ausfällt, zahlt die Arbeitszeit doppelt – das sollte man mit der Werkstatt im Vorfeld besprechen.
3. Steuerkette – Rasseln beim Kaltstart ernst nehmen
Die Steuerkette ist ein Metallband das Kurbelwelle und Nockenwelle synchronisiert – sie hält den Motor im Takt. Beim N57 sitzt sie vorne am Motor, was den Wechsel günstiger macht als beim berüchtigten N47. Aber auch hier dehnt sie sich ab 150.000–200.000 km.
Rasseln in den ersten Sekunden nach dem Kaltstart – lauter als normal, dann nachlassend – zeigt, dass der Kettenspanner keinen ausreichenden Druck mehr aufbaut. Springt die Kette über, treffen Ventile auf Kolben. Bei einem Sechszylinder mit 313 PS passiert das ohne jede Gnade.
Kosten Steuerkettensatz N57 komplett: 1.800–3.500 Euro inklusive Einbau. Nach Kettenriss: Motoraustausch.
4. AGR-Ventil und Ansaugtrakt – Ruß der sich aufbaut
Das AGR-Ventil leitet Abgase zurück in den Ansaugtrakt – das reduziert Schadstoffe, sorgt aber dafür dass sich der Ansaugkrümmer mit Rußablagerungen zusetzt. Bei einem Diesel der viele Kurzstrecken fährt, geht das schneller als man denkt.
Ein verstopfter Ansaugtrakt drosselt die Luftzufuhr, der Motor verliert Leistung und geht in Notlauf. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Turbolader – AGR-Probleme ziehen beim 640d häufig Turboschäden nach sich.
Kosten AGR-Ventil + Ansaugtrakt-Reinigung: 600–1.600 Euro.
5. Lagerschäden bei hoher Laufleistung
Lager sind die Gleitflächen im Motor auf denen sich Kurbelwelle und Pleuel drehen. Sie brauchen ständig frisches Öl. Fehlt das – durch verschleppte Ölwechsel oder einen defekten Injektor der Diesel ins Öl lässt – laufen sie heiß und fressen sich fest.
Ein dumpfes, rhythmisches Klopfen im Leerlauf das mit der Drehzahl geht – das ist Lagerklopfen. Ab diesem Punkt gibt es keine wirtschaftliche Reparatur mehr. Nur noch Motoraustausch.
Kosten Motoraustausch N57 generalüberholt: 6.000–12.000 Euro inklusive Einbau.
OBD-II Fehlercodes: Was das Steuergerät dir sagt
Mit einem OBD-Lesegerät – gibt es ab 20 Euro – kannst du die Fehlercodes selbst auslesen. Das sind die wichtigsten beim 640d:
- P0299 – Turbolader zu wenig Druck (Turboschaden, Ladedruckverlust)
- P0087 – Kraftstoffdruck zu niedrig (Hochdruckpumpe oder Injektor defekt)
- P0300–P0306 – Zündaussetzer Zylinder 1–6 (Injektor oder Kompression prüfen)
- P0016 / P0017 – Steuerkette außer Takt (sofort Werkstatt aufsuchen)
- P0401 – AGR-Durchfluss zu niedrig (AGR-Ventil verkokt)
- P0521 – Öldrucksensor außerhalb Bereich (Ölversorgung sofort prüfen)
- 4534 / 4535 – BMW-spezifisch: Ladedruckregelung Turbo 1/2 (Bi-Turbo N57)
Was kostet ein Motorschaden am 640d wirklich?
| Schadensart | Kosten (inkl. Einbau) |
|---|---|
| Bi-Turbo-Austausch komplett | 2.500 – 5.500 € |
| Einzelner Turbolader | 1.200 – 2.800 € |
| Injektor-Satz (alle 6) | 2.400 – 5.400 € |
| Hochdruckpumpe | 1.000 – 2.200 € |
| Steuerkettensatz N57 | 1.800 – 3.500 € |
| AGR-Ventil + Ansaugtrakt | 600 – 1.600 € |
| Austauschmotor (generalüberholt) | 6.000 – 12.000 € |
Ein 640d steht je nach Baujahr und Zustand bei 12.000–35.000 Euro Marktwert. Bei einem frühen Turboschaden rechnet sich die Reparatur noch. Bei einem Totalschaden am Motor schaut die Rechnung anders aus – ein Austauschmotor für 10.000 Euro plus Einbau nähert sich bei älteren Baujahren schnell dem Fahrzeugwert.
Was jetzt wirklich sinnvoll ist
Der 640d ist kein günstiges Auto – weder im Kauf noch in der Reparatur. Das macht die Entscheidung schwerer als bei einem 3er oder 5er. Werkstätten berechnen für den 6er mehr Arbeitszeit, Ersatzteile sind teurer, und generalüberholte Austauschmotoren sind seltener verfügbar.
Stell dir vor, du holst den Kostenvoranschlag ab. 9.000 Euro für Motoraustausch und Nebenarbeiten. Du schaust auf mobile.de: Ein vergleichbarer 640d ohne Schaden kostet 18.000 Euro. Die Reparatur rechnet sich – aber nur wenn danach wirklich alles stimmt. Und das ist beim 6er mit hoher Laufleistung keine Garantie.
Professionelle Motorschaden-Ankäufer bewerten das Fahrzeug nach dem was noch funktioniert – Karosserie, Getriebe, Fahrwerk, Ausstattung. Der 640d hat als Ersatzteilspender einen stabilen Markt, N57-Motoren und Getriebe werden gesucht. Das schlägt sich im Angebot nieder.
Du bekommst ein konkretes Angebot – kein Besichtigungsmarathon, keine Verhandlung. Wer seinen BMW verkaufen möchte, bekommt kostenlose Abholung, sofortige Auszahlung und die komplette Abmeldung aus einer Hand. Du sagst ja oder nein – das war’s.
Die 5 fatalsten Fehler nach dem ersten Motorschaden-Verdacht
- Weiterfahren trotz Leistungsabfall oder Rauch – beim Bi-Turbo des N57 bedeutet das oft den Unterschied zwischen 2.800 Euro Turbowechsel und 11.000 Euro Totalschaden
- Öl auffüllen und hoffen – Symptome überdecken schiebt das Problem nur nach hinten und macht die Endrechnung größer
- Direkt zur BMW-Vertragswerkstatt ohne Fehlercode-Auslesen – wer die Diagnose nicht kennt, verhandelt blind und zahlt Listenpreise
- Beim 640d nur einen Injektor tauschen – wenn einer ausfällt, sind die anderen oft nicht weit dahinter. Immer alle prüfen lassen
- Das Fahrzeug stehen lassen ohne Entscheidung – Versicherung, Steuer und Wertverlust laufen weiter, auch wenn das Auto sich nicht bewegt



