Der Termin für die Hauptuntersuchung rückt näher, und der Turbo macht Probleme. Vielleicht pfeift er, vielleicht verliert er etwas Öl, vielleicht leuchtet die Motorkontrollleuchte. Jetzt stellt sich die Frage: Fällt das bei der HU auf, und lohnt es sich, vorher zu reparieren?
⏱ Lesezeit ca. 7 Min. · Aktualisiert am 22.10.2026
Inhalt dieses Ratgebers
Die kurze Antwort: Den Turbolader selbst nimmt der Prüfer nicht auseinander. Die Folgen eines defekten Laders zeigen sich aber oft an Stellen, die geprüft werden. Dieser Ratgeber erklärt, welche Befunde typisch sind, wie sie bewertet werden und welche Optionen Sie haben.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die HU prüft den Lader nicht direkt, aber seine Folgen wie Ölverlust, Undichtigkeiten und Abgaswerte.
- Eine leuchtende Motorkontrollleuchte oder emissionsrelevante Fehler im Speicher können die Abgasuntersuchung scheitern lassen.
- Fehlerspeicher vor der HU zu löschen hilft nicht, weil die Prüfsysteme danach erst wieder bereit sein müssen.
- Bei erheblichen Mängeln haben Sie einen Monat Zeit für die Nachprüfung.
- Bei älteren Autos ist oft die Frage, ob sich Reparatur plus HU noch rechnet.
Was bei der HU geprüft wird und was nicht
Bei der Hauptuntersuchung geht es um Verkehrssicherheit und Umweltverträglichkeit. Der Prüfer schaut sich Bremsen, Lenkung, Fahrwerk, Licht und Karosserie an. Dazu kommen der Motorraum, der Unterboden und die Abgasanlage. Teil der HU ist außerdem die Abgasuntersuchung.
Ob die Welle Ihres Laders Spiel hat, prüft dabei niemand. Auch Leistung oder Ladedruck werden nicht gemessen. Ein Lader, der leise pfeift, sonst aber dicht ist und keine Fehler erzeugt, fällt deshalb oft gar nicht auf. Das ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Ein beginnender Lagerschaden wird nicht von selbst besser. Und ein Lader, der heute noch unauffällig ist, kann bis zur nächsten HU in zwei Jahren längst ausgefallen sein.
Ölverlust und Undichtigkeiten
Ein verschlissener Lader drückt oft Öl an den Dichtringen vorbei. Es landet in den Ladeluftschläuchen, am Ladeluftkühler oder tritt an Verbindungen aus. Auch undichte Ölleitungen am Lader sind häufig. Der Prüfer sieht das bei der Kontrolle von oben und von unten.
Leichte Ölfeuchte wird meist nur vermerkt. Tropft Öl oder ist der Verlust deutlich, wird das in der Regel als erheblicher Mangel gewertet. Dann gibt es keine Plakette. Bildet sich ständig ein Tropfen und besteht ein sehr ernstes Risiko, etwa Öl auf heißen Teilen, kann sogar ein gefährlicher Mangel vorliegen.
Ähnliches gilt für die Abgasseite. Eine undichte Dichtung zwischen Krümmer und Lader oder ein gerissenes Gehäuse macht die Abgasanlage undicht. Das ist hörbar, oft auch riechbar, und zählt ebenfalls zu den Mängeln, die eine Plakette verhindern können.
Motorkontrollleuchte und Fehlerspeicher
Bei Autos mit On-Board-Diagnose gehört das Auslesen der Fahrzeugdiagnose zur Abgasuntersuchung. Der Prüfer schaut, ob die Motorkontrollleuchte an ist, welche Fehler gespeichert sind und ob die Überwachungssysteme bereit sind. Diese Bereitschaft nennt man Readiness.
Leuchtet die Kontrollleuchte wegen eines emissionsrelevanten Fehlers, kann die Abgasuntersuchung scheitern. Ein Ladedruckfehler betrifft oft auch die Abgaswerte, denn ohne korrekten Ladedruck stimmt die Verbrennung nicht.
Den Fehlerspeicher kurz vor der HU zu löschen, ist keine gute Idee. Danach sind die Readiness-Prüfungen zurückgesetzt. Sie melden erst nach einer längeren Fahrstrecke wieder Bereitschaft. Fehlt die Readiness, kann das bei der Abgasuntersuchung zu Problemen oder einem neuen Termin führen. Und ein echter Defekt meldet sich ohnehin wieder.
| Befund | Bewertung in der Regel | Folge |
|---|---|---|
| Leichte Ölfeuchte am Lader | geringer Mangel oder Hinweis | Plakette möglich, Reparatur ratsam |
| Tropfender Ölverlust | erheblicher Mangel | Nachprüfung innerhalb eines Monats |
| Undichte Abgasanlage am Lader | erheblicher Mangel | Nachprüfung innerhalb eines Monats |
| Motorkontrollleuchte an, Ladedruckfehler | Abgasuntersuchung kann scheitern | keine Plakette bis zur Behebung |
| Starker Rauch bei der Abgasmessung | Abgasuntersuchung nicht bestanden | Reparatur und Nachprüfung |
| Pfeifen ohne Undichtigkeit und Fehler | meist kein Befund | Lader trotzdem prüfen lassen |
Abgasuntersuchung beim Diesel und Benziner
Beim Benziner werden unter anderem Kohlenmonoxid und das Luftverhältnis gemessen. Verbrennt der Motor Öl vom defekten Lader, können die Werte auffällig sein. Bei älteren Dieseln wird die Trübung des Abgases bei mehreren Gasstößen gemessen. Ein Lader mit Lagerschaden wird dabei hoch belastet. Starker Rauch führt zum Durchfallen.
Für Diesel ab Euro 6 gilt seit dem 1. Juli 2023 statt der Trübungsmessung eine Messung der Partikelanzahl im Leerlauf bei warmem Motor. Der Grenzwert liegt bei 250.000 Partikeln pro Kubikzentimeter. Sie zeigt vor allem, ob der Partikelfilter dicht ist. Ein Lader, der Öl in den Abgasstrang drückt, kann den Filter auf Dauer schädigen. Spätestens dann wird es bei der AU schwierig. Ein beschädigter Filter ist zudem eine teure Reparatur, die zum Turboschaden noch hinzukommt.
Mangel festgestellt: Was jetzt?
Bei erheblichen Mängeln bekommen Sie keine neue Plakette. Sie müssen die Mängel beheben lassen und das Auto innerhalb eines Monats zur Nachprüfung vorstellen. Verstreicht die Frist, ist in der Regel eine komplette neue Hauptuntersuchung fällig. Bis dahin dürfen Sie das Auto noch nutzen, sofern kein gefährlicher Mangel vorliegt.
Planen Sie die Reparatur deshalb gleich mit Diagnose. Wer nur die Ölspuren entfernt oder den Fehler löscht, steht bei der Nachprüfung wieder vor demselben Problem. Wird die HU-Frist dagegen einfach überzogen, drohen Verwarn- oder Bußgelder.
Besser ist es, das Problem vor dem Termin anzugehen. Viele Werkstätten bieten einen kurzen Vorab-Check an. Dabei lesen sie den Fehlerspeicher aus, prüfen den Readiness-Status und schauen nach Undichtigkeiten. So wissen Sie vorher, ob der Turbo die HU gefährdet. Sie können dann in Ruhe entscheiden, statt unter dem Druck einer Monatsfrist zu handeln. Das ist besonders wichtig, wenn Teile wie ein Austauschlader erst bestellt werden müssen.
Reparieren oder ohne neue HU verkaufen?
Bei einem jüngeren Auto ist die Sache klar. Lader reparieren, HU machen, weiterfahren. Bei einem älteren Fahrzeug kommen oft mehrere Punkte zusammen: der Turbo, dazu Bremsen, Rost oder Fahrwerk. Rechnen Sie dann alle Posten zusammen und vergleichen Sie sie mit dem Wert des Autos.
Ein Auto ohne gültige HU und mit Turboschaden lässt sich privat nur schwer verkaufen. Autoankauf Stern kauft solche Fahrzeuge auch ohne TÜV an, holt sie kostenlos ab und übernimmt die Abmeldung.
Häufige Fragen
Prüft der TÜV den Turbolader?
Nicht direkt. Geprüft werden aber Ölverlust, Dichtheit der Abgasanlage, der Fehlerspeicher und die Abgaswerte. Dort zeigt sich ein defekter Lader oft.
Komme ich mit leuchtender Motorkontrollleuchte durch die HU?
Liegt ein emissionsrelevanter Fehler vor, wird die Abgasuntersuchung in der Regel nicht bestanden. Lassen Sie den Fehler vorher auslesen und beheben.
Kann ich den Fehlerspeicher vor der HU löschen?
Das bringt nichts. Nach dem Löschen sind die Prüfsysteme nicht bereit, und ein echter Fehler kehrt zurück. Beides kann zum Nichtbestehen führen.
Wie lange habe ich nach einem erheblichen Mangel Zeit?
Für die Nachprüfung haben Sie einen Monat. Danach ist meist eine vollständige neue Hauptuntersuchung nötig.
Darf ich mit einem Turboschaden noch zur HU fahren?
Wenn das Auto sicher fährt, ja. Bei starkem Rauch, Ölverlust oder Kreischen sollten Sie aber vorher reparieren, da die Gasstöße der Abgasmessung den Lader zusätzlich belasten können.
Bekomme ich eine Plakette, wenn das Auto im Notlauf fährt?
Der Notlauf selbst wird nicht bewertet. Er geht aber fast immer mit einem gespeicherten Fehler und oft mit leuchtender Kontrollleuchte einher. Damit ist die Abgasuntersuchung gefährdet.
Hinweis zur Entstehung: Für Datenrecherche und Formulierung wurde KI eingesetzt – ausschließlich mit Gegenprüfung anhand der Datenbanken der Hersteller.



