Der 320d ist seit Jahrzehnten einer der meistverkauften Diesel in Deutschland. Hinter dem gleichen Typenschild stecken aber drei verschiedene Motoren: M47, N47 und B47. Jeder hat einen anderen Turbolader und andere typische Schwachstellen. Wer bei einem Turboschaden die richtige Entscheidung treffen will, sollte deshalb zuerst wissen, welcher Motor unter der Haube sitzt.
⏱ Lesezeit ca. 7 Min. · Aktualisiert am 22.10.2026
Inhalt dieses Ratgebers
- Welcher Motor steckt in Ihrem 320d?
- E90 mit M47: alte Technik, bekannte Risiken
- E90 und F30 mit N47: oft ist es nicht der Lader
- F30 und G20 mit B47: robuster, aber komplexer
- Diese Symptome sollten Sie ernst nehmen
- Reparieren oder verkaufen? Es kommt auf die Baureihe an
- Vorbeugen: was bei allen drei Motoren hilft
- Häufige Fragen
Dieser Ratgeber ordnet die Baureihen E90/E91, F30/F31 und G20/G21 den Motoren zu. Anschließend geht es um die bekannten Laderprobleme jedes Motors, die Warnzeichen und grobe Preise.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der E90 320d hat bis 2007 den M47, danach den N47.
- Im F30 320d steckt bis etwa 2015 der N47, danach der B47.
- Der G20 320d nutzt den B47 mit zweistufiger Aufladung, ab 2020 mit 48-Volt-Technik.
- Je jünger der Motor, desto teurer wird der Turbo, aber desto eher lohnt sich die Reparatur.
- Für einen neuen Lader samt Einbau sind je nach Motor ca. 1.200–3.500 € fällig.
Welcher Motor steckt in Ihrem 320d?
Die Baureihe allein reicht nicht. Entscheidend ist das Baujahr. Welcher Code genau verbaut ist, verrät eine Abfrage der Fahrgestellnummer. Grob gilt diese Zuordnung:
- E90/E91 bis Herbst 2007: M47 mit 163 PS, ein VTG-Lader
- E90/E91 ab Herbst 2007: N47 mit 177 PS, ab 2010 mit 184 PS, ein VTG-Lader
- F30/F31 2012 bis etwa 2015: N47 mit 184 PS
- F30/F31 ab etwa 2015: B47 mit 190 PS, einstufig aufgeladen
- G20/G21 ab 2019: B47 mit 190 PS und zwei Ladern, ab 2020 mit 48-Volt-Mildhybrid
E90 mit M47: alte Technik, bekannte Risiken
Der M47 im frühen E90 ist ein zäher Motor. Sein Turbo leidet vor allem unter dem Alter. Verkokte Ölrücklaufleitungen lassen das Öl im Lader stauen. Dann drückt es an den Dichtungen vorbei, der Motor qualmt blau und verliert Öl.
Ein Sonderfall sind die Drallklappen im Ansaugkrümmer. Löst sich eine Klappe, fallen Teile in den Brennraum. Der Motor nimmt schweren Schaden, und im ungünstigen Fall gelangen Bruchstücke über den Auslass bis zur Turbine. Ein Turbotausch allein hilft dann nicht mehr. Fragen Sie beim M47 deshalb immer, ob die Drallklappen schon getauscht oder fachgerecht stillgelegt wurden.
E90 und F30 mit N47: oft ist es nicht der Lader
Beim N47 regelt Unterdruck die Leitschaufeln des Turbos. Eine gequetschte Unterdruckleitung, ein schwacher Druckwandler oder ein abgerutschter Ladeluftschlauch lösen dieselben Symptome aus wie ein kaputter Lader: Notlauf, Meldung „Antrieb gestört“ und wenig Leistung. Diese Teile kosten nur einen Bruchteil.
Echte Turboschäden am N47 entstehen meist durch verkokte Leitschaufeln bei viel Kurzstrecke oder durch Lagerverschleiß nach langen Ölwechselintervallen. Achten Sie außerdem auf die Steuerkette. Ein Heulen bei 1.500–2.000 U/min stammt oft von der Kette und nicht vom Turbo.
| Motor / Baureihe | Kosten ca. | Hinweis |
|---|---|---|
| M47 (E90 bis 2007) | 1.200–2.200 € | Ölrücklauf mit erneuern |
| N47 (E90, F30) | 1.300–2.500 € | vorher Unterdrucksystem prüfen |
| B47 einstufig (F30 ab 2015) | 1.500–2.800 € | Ansaugweg auf Eis-/Fremdkörperschäden prüfen |
| B47 zweistufig (G20) | 2.500–3.500 € | je nach Umfang der Einheit |
| Unterdruckleitung oder Druckwandler | 50–250 € | häufig beim N47 |
| Ladeluftschlauch | 100–350 € | alle Baureihen |
F30 und G20 mit B47: robuster, aber komplexer
Der B47 gilt als deutlich ausgereifter als der N47. Typische Turboserienschäden sind nicht bekannt. In Foren berichten Besitzer allerdings von Ladern, die im Winter beschädigt wurden. Kondenswasser in der Ansaugleitung kann gefrieren, Eisstücke treffen dann das Verdichterrad. Betroffen sind vor allem Autos, die oft bei Frost kurz gefahren werden.
Beim G20 kommt die zweistufige Aufladung hinzu. Ein kleiner und ein großer Lader arbeiten zusammen, Klappen schalten zwischen ihnen um. Fällt eine Klappe oder ihr Steller aus, ist nicht automatisch ein Lader defekt. Die Fehlersuche braucht aber mehr Zeit und gute Diagnosetechnik. Wird die komplette Einheit getauscht, liegt die Rechnung höher als beim Einzellader.
Diese Symptome sollten Sie ernst nehmen
Die Anzeichen sind bei allen drei Motoren ähnlich. Unterschiedlich ist nur, wie wahrscheinlich der Lader selbst schuld ist. Notieren Sie, wann das Problem auftritt: kalt oder warm, bei Volllast oder im Teillastbereich. Solche Angaben verkürzen die Fehlersuche in der Werkstatt spürbar.
- Leistungsverlust, vor allem beim Beschleunigen auf der Autobahn
- Pfeifen oder Sirenengeräusch, das mit dem Gaspedal anschwillt
- Blauer Rauch nach dem Gaswegnehmen oder beim Anfahren
- Öl in Ladeluftschläuchen oder am Ladeluftkühler
- Motorkontrollleuchte und Notlauf, der nach Neustart kurz verschwindet
Reparieren oder verkaufen? Es kommt auf die Baureihe an
Beim G20 ist die Sache meist klar. Das Auto hat noch einen hohen Wert, ein Turbo für 2.500 bis 3.500 € lohnt sich fast immer. Prüfen Sie vorher, ob noch Garantie oder Kulanz greift.
Beim F30 hängt es von Laufleistung und Zustand ab. Ein B47 mit 150.000 km und gepflegtem Serviceheft verdient einen neuen Lader. Ein N47 mit Kettengeräusch und Turboschaden ist dagegen ein Rechenexempel. Hier können schnell 4.000 € und mehr zusammenkommen.
Beim E90 übersteigen die Kosten oft den Restwert. Ein 320d von 2008 mit 280.000 km bringt in gutem Zustand meist nur noch wenige tausend Euro. Wer hier kein Geld mehr hineinstecken möchte, kann den Wagen unrepariert abgeben. Autoankauf Stern nimmt auch einen 320d mit Turboschaden an und holt ihn kostenlos ab.
Vorbeugen: was bei allen drei Motoren hilft
Der Turbolader lebt vom Motoröl. Frisches Öl in der richtigen Freigabe ist der wichtigste Schutz. Halten Sie Wechselintervalle von höchstens 15.000 km ein, auch wenn der Bordcomputer mehr erlaubt. Fordern Sie volle Leistung erst, wenn das Öl warm ist. Nach schneller Autobahnfahrt sollte der Motor ein bis zwei Minuten ruhig laufen, bevor Sie ihn abstellen. Und fahren Sie regelmäßig längere Strecken, damit Ruß in Leitschaufeln, AGR und Partikelfilter abbrennt.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob mein 320d einen N47 oder B47 hat?
Beim F30 wechselte BMW etwa 2015 vom N47 auf den B47, der B47 hat 190 statt 184 PS. Sicher ist nur die Abfrage über die Fahrgestellnummer.
Ist ein Turboschaden beim 320d häufig?
Er kommt vor, ist aber kein Massenproblem wie die Steuerkette beim N47. Viele Ladedruckfehler haben billigere Ursachen wie Schläuche oder Unterdruckleitungen.
Kann ich mit defektem Turbo noch zur Werkstatt fahren?
Bei reinem Leistungsverlust meist ja, langsam und kurz. Bei starkem Rauch, Ölverlust oder lauten Schleifgeräuschen sollten Sie den Wagen abschleppen lassen.
Warum ist der Turbo beim G20 teurer?
Der G20 320d hat zwei Lader mit Umschaltklappen. Die Einheit ist komplexer, der Einbau aufwendiger und die Teile sind teurer als ein einzelner VTG-Lader.
Was kostet die Diagnose eines Turboproblems?
Ein Fehlerspeicher-Check mit Messfahrt kostet je nach Werkstatt ca. 80–200 €. Das Geld ist gut investiert, wenn danach kein falsches Teil getauscht wird.
Hinweis zur Entstehung: Für Datenrecherche und Formulierung wurde KI eingesetzt – ausschließlich mit Gegenprüfung anhand der Datenbanken der Hersteller.




